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DIE SERIALE

DIE SERIALE

Csongor Dobrotka ist mit Begründer des jährlichen Gießener Filmfestivals „die Seriale“. Doch die meisten Gießener können mit der Seriale so gar nichts anfangen. Wir haben mal nach gefragt, was wirklich hinter dem Filmfestival steckt.

 

Blick hinter die Kulissen des 3. IndieSerienFestival – DIE SERIALE

 

Was genau steckt hinter dem Film Festival „die Seriale“?
Die Seriale ist ein Festival für indie Serien und das sind für gewöhnlich Webserien. Inzwischen hat sich sogar der Begriff kurzformatige digitale Serien durchgesetzt. Denn streng genommen sind ja auch Serien, die von Amazon oder Netflix produziert werden, Webserien. Der Unterschied liegt lediglich in der Spiellänge. Man sagt eine Webserie geht von einer bis maximal zwanzig Minuten, durchschnittlich sind sie bis zu 15 Minuten lang. Unser Festival ist für Serien, die independent produziert wurden. Das verschafft den Produzenten Freiheit bei der Gestaltung und Umsetzung ihrer Ideen.

 

Wie kam es dazu, dass Gießen mit der „Seriale“ sein eigenes Filmfestival bekommen hat?
2011 habe ich hier in Gießen die Filmproduktion „DOBAGO Film“ gegründet. Wir kamen auf die Idee eine Webserie zu produzieren. Damals war das zwar nicht gang und gäbe, aber wir wollten etwas produzieren, dass wir auch selber sehen wollten. Raus gekommen ist die Webserie „Number of Silence“. Ich wollte dem Format der Webserie gerne mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen, doch kein Filmfestival wollte solch eine Kategorie aufnehmen. Die Aussage war immer, dass es nicht genügend gute Serien geben würde. Zur selben Zeit hat ein Freund von mir selbst eine Webserie produziert. Wir haben uns für ein gemeinsames Screening zusammen getan und plötzlich hatten wir ein Festival. Wir haben mit der Stadt Gießen geredet und danach war es fast schon selbstverständlich. Gießen hatte kein eigenes Filmfestival. So haben wir gesagt: Warum eigentlich nicht? Am Ende hatten wir eine Auswahl von 22 wirklich guten Serien, die gezeigt wurden. Dieses Jahr zeigen wir bereits 42 Serien und sind zum ersten mal international aufgestellt.

 

 

Wenn ich jetzt noch eine Webserie herum liegen habe, die von der Öffentlichkeit unbedingt gesehen werden muss. Wie melde ich mich mit ihr bei der Seriale an?
Über unsere Website kommst du zu „Filmfreeway“, dort kannst du deine Serie einreichen. Nach dem Ablauf des Anmeldezeitraums, werden die eingereichten Serien gesichtet und beschlossen, welche Serien es in das Festival Programm schaffen.

 

Wie setzt sich die Jury des Filmfestivals zusammen? Und wechselt sie jährlich?
Ja, sie wechselt bis auf eine feste Person jedes Jahr. Das ist Astrid Matron, sie hat früher in Gießen Theaterwissenschaften studiert und danach im Bereich Filmwissenschaften promoviert. Ebenfalls haben wir drei Webfilmemacher aus Hessen, die international ganz viele Preise bekommen haben und für unterschiedliche Gebiete Spezialisten sind. Christian Stadach (Regisseur, Motion Graphics und Compositing Artist), Stephan Zimmermann (Autor, Komponist & Sounddesigner) und Thomas Meudt (Komponist & Sounddesigner). Dann haben wir noch Otessa Marie Ghadar in der Jury, sie ist aus Washington und leitet das „DC Web Fest“. Ein weiteres Jury Mitglied ist dieses Jahr noch Young Man Kang. Er ist aus Südkorea und Filmregisseur von koreanischen und amerikanischen Filmen und leitet das „Seoul Webfest“. Er ist für den asiatischen Raum ein sehr wichtiger Vorreiter, was den Bereich der Webserien angeht. Diese sechs Personen bilden unsere diesjährige Jury. Sie haben die Möglichkeit alle Serien vorab zu sehen, aber entscheiden werden sie sich erst vor Ort. Sie werden sich treffen und diskutieren, wer dieses Jahr die 15 Awards mit nach Hause nehmen darf.

 

Wo liegt für dich der Unterschied zwischen einem „normalen“ Filmfestival und einem Webfilmfestival?
Man denkt immer, dass unter verschiedenen Filmfestivals ein Konkurrenzgedanke besteht und das ist bei Webfilmfestivals überhaupt nicht so. Es ist tatsächlich wie ein weltweites Netzwerk an Kooperationen. Es ist eine Community, die sich gegenseitig unterstützt. Ich kenne wirklich kein Festival, das einen Konkurrenzgedanken hegt. Es ist eher eine wirklich eindeutige und gegenseitige Unterstützung. Die Filmemacher erfahren im independent Bereich immer Hilfe und diese ist gerade in diesem Bereich enorm wichtig. Sehr oft sind die Festivalmacher selbst Filmemacher oder besitzen eine Plattform, auf der später die Serien gezeigt und verliehen werden. Das ist eine ehrlich Unterstützung, die man meist aus dem wirtschaftlichen Filmsektor nicht so kennt.

 

 

Wer darf auf keinen Fall „die Seriale“ verpassen?
Im Grunde genommen darf kein Serien-Interessierter „die Seriale“ verpassen. Das Problem ist allerdings, dass die meisten Serien-Interessierten gar nicht wissen, dass es dieses Format gibt. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass jeder, der in den letzten Jahren im Kino war, überrascht nach Hause ging. In den Webserien wird all das gemacht, was im Fernsehen nicht finanziert wird. Zum Beispiel spielt die „MEM“ Serie in der Antarktis und ist ein postapokalyptischer Western. Wie kann solch eine Serie in Hessen produziert werden? Genau solche Sachen sind es, die Leute zum staunen bringen. Du hast die Chance direkt mit den Filmemachern ins Gespräch zukommen. Sie sind nicht mehr unnahbar, sondern überall in Gießen. Wir haben Gäste aus 10 Ländern, allein aus fünf Staaten der USA. Auch Schauspieler aus Hollywood und New York werden da sein. Das spannendste für mich ist die direkte Reaktion des Publikums. Selbst, wenn du noch nie etwas über Webserien gehört hast, weißt du nach den drei Tagen Seriale wirklich alles.

 

 

Danke dir, Csongor Dobrotka, für deinen Blick hinter die Kulissen der Seriale.

 


 

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