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IM INTERVIEW: CSD GIEẞEN

IM INTERVIEW: CSD GIEẞEN

In knapp zwei Wochen ist es soweit. Am 26. August 2017 wird gemeinsam gefeiert, getanzt und Grenzen geöffnet. Der CSD Gießen möchte mit allen feiern. Wir haben uns mit Mel und Becci vom Orga-Team getroffen und nachgefragt, was uns alles bei diesjährigen CSD erwartet.

 

Hallo ihr beiden. Schön, dass ihr Zeit für uns habt. Fangen wir ganz vorne an. Wie kam es dazu, dass sich Gießen dieses Jahr wieder über einen CSD freuen kann?
Ela: Vor zwei, drei Jahren gab es beriets CSD´s in Gießen, die vom CSD-Mittelhessen veranstaltet wurden. Das Konzept hinter dem CSD-Mittelhessen ist, immer wieder von einer Stadt in die nächste zu wechseln. In den letzten zwei Jahren hat man in Gießen festgestellt, dass die Stadt bereit für ihren eigenen und permanenten CSD ist. Da haben wir (André, Becci, Mel, Sven, Ela, Mary und Jasmin) gesagt: „Okay, die Zeit ist reif. Wir versuchen es und stellen etwas auf die Beine.

 

Ihr habt euch dazu entschieden nicht nur den CSD selbst am 26. August zu planen, sondern habt direkt zahlreiche Veranstaltungen drum herum mit ins Leben gerufen. Wie kam es zu dem großen Rahmenprogramm?
Ela: In Gießen wird vieles, was im Zuge lesbisch, schwul, queer, trans*, inter* läuft, selbst organisiert. Wie zum Beispiel die Einhorn Partys oder die Schwule Mädchen Partys, parallel gibt es natürlich auch Organisationen wie die AIDS Hilfe vor Ort, das Frauen- und Gleichberechtigungsbüro und alle, die ich gerade vergessen habe, welche Veranstaltungen organisieren. Allerdings ist es in den letzten drei Jahren weniger wurde. Da ist der CSD natürlich ein guter Indikator, um bereits im Vorfeld ganz viel zu machen. Gleichzeitig kamen auch viele Menschen auf uns zu, die toll finden was wir machen und etwas beisteuern wollten. Dabei geht es natürlich nicht nur um Spiel und Spaß. Die Veranstaltungen haben immer einen politischen Anspruch mit dabei. Es gibt zum Beispiel fachliche Vorträge zur lesbischen Sichtbarkeit und der Symbolik im LGBTIQ-Bereich oder auch die Wanderausstellung zum Thema Trans* in Arbeit, die extra von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, nach Gießen geholt wurde. Am Samstag werden auch die AIDS Hilfe, ENOUGH is ENOUGH!,  an.ge.kommen e.V.  und viele mehr mit einem Infostand dabei sein.

 

Grenzen aufbrechen … Liebe leben

 

Was unterscheidet den diesjährigen CSD von den früheren CSD-Veransaltungen?
Ela: Wir haben uns bewusst für eine Demonstration und gegen eine Parade entschieden.
Becci: Die sogar absichtlich auf den Abend gelegt wurde. Gießen ist einerseits eine Studentenstadt, da ist die Aufmerksamkeitsspanne eher abends. lacht Andererseits kennen wir das persönlich selbst. Wir wollen gerne zur Demonstration gehen, aber wir müssen noch arbeiten oder haben tagsüber andere Verpflichtungen. Deswegen machen wir die Demonstration dieses Jahr mal anders und machen sie abends. Diese Entscheidung fanden die Leute von UNDERtheGROUND klasse, da wir uns so auch an die Nachttanzdemo anlehnen. UNDERtheGROUND haben uns sogar einen Großteil des Gewinnes ihrer letzten Party gespendet.

 

Team CSD Gießen

 

Das hört sich alles so unglaublich positiv an. Alle unterstützen euch und finden es richtig klasse, was ihr macht. Ist es wirklich so? Vor allem im Hinblick auf Gießen zum einen als Stadt und zum andern als Bewohner?
Ela: Ich glaube so richtig sieht man das erst am Tag selbst und an dem, was im Nachgang kommen wird. Ein Großteil in Gießen weiß schon vom CSD Gießen, ein anderer Teil weiß noch nichts davon. Wir haben versucht ein Programm zusammen zuschustern, dass tatsächlich mehr als nur lesbisch, schwul, trans, inter oder queer Menschen anspricht. Es soll ein verbindendes Element sein, dass sag: „Lass uns zusammen an einer guten Sache arbeiten und uns gegen Diskriminierung stellen.
Becci: Wir wollen nicht nur die Aufmerksamkeit der Community selbst, sondern drumherum. So ist auch unser Motto „Grenzen aufbrechen … Liebe leben“ entstanden.
Ela: Es ist gut, dass es dich gibt und wie du bist.

 

Wo liegen aktuell für euch die größten Grenzen?
Ela: Es gibt mehrere Grenzen und Überthemen. Ehe für alle war natürlich ein erster guter Schritt, dass bedeutet aber nicht, dass die CSD Zeiten nun vorbei sind. Man bekommt es medial viel mit, dass zum Beispiel Personen, die aufgrund ihrer Sexualität geflohen sind, wieder abgeschoben werden, da dies nicht als ernstzunehmender Grund anerkannt wird. Da helfen auch Aussagen wie „Vor Ort musst du es ja nicht zeigen.“ nicht. Auch gibt es immer noch scharfe Transsexuellen Gesetze, wo Dinge einfacher werden müssen. Auch geschichtlich muss noch viel Aufklärungsarbeit von verschiedenen Seiten geleistet werden. CSD´s werden oft sehr weiß und schwul dargestellt, wobei die ersten eigentlich von afroamerikanischen Trans*Personen ausgingen. Es ist wichtig dran zu bleiben.
Becci: Ehe für alle ist ein schöner Schritt gewesen, mit dem wir auch sehr zufrieden sind und den wir ausgiebig gefeiert haben, nichtsdestotrotz ist es damit nicht getan – auch nicht für Gießen. Man hört immer wieder schräge Stimmen, wenn man als Frau mit seiner Freundin oder als Mann mit seinem Freund durch die Stadt läuft und das ist in Anführungsstrichen „nur“ ein lesbisches oder schwules Pärchen. Ich will nicht sagen was passiert, wenn Trans*Personen hier lang laufen. Es ist einfach schade, dass es so ist.
Ela: Natürlich kann man nicht alles auf einmal verändern, aber wir sind so realistisch, dass wir glauben Stück für Stück kann es besser werden. Auch wenn wir an diesem Tag nur eine Person mehr erreichen, die sagt: „Ist doch alles gar nicht so wild. Lass sie doch leben wie sie möchten und ich lebe wie ich es möchte.“ Es soll einfach ein gemeinsames aufeinander zugehen stattfinden.
Becci: Aktuell gibt es leider wieder solch einen Fall bei den Rainbow Refugees. Hier in Gießen wurde eine Person krankenhausreif geprügelt. So etwas muss klar sichtbar gemacht werden, weil so etwas kann einfach nicht sein. Diese Person ist aufgrund ihrer Sexualität aus ihrem Land geflüchtet, kommt hier her und erfährt im Prinzip nichts anderes. So etwas ist einfach nicht schön, gerade wo wir uns auf die Fahne schreiben, wie offen und tolerant wir sind.

 

„Lass uns zusammen an einer guten Sache arbeiten und uns gegen Diskriminierung stellen.“
Ela, CSD Orga-Team

 

Habt ihr bei all der Breite eures Programms ein persönliches Highlight? Oder könnt ihr da als Veranstalter gar keine Aussage treffen?
Becci: Ich weiß nicht, ob wir uns so aus dem Fenster lehnen können. Ich finde unser komplettes Programm ist ein Highlight. Ich bin sehr froh, dass Ikenna Amaechi dabei ist, das bekannteste Whitney Houston Double. Er singt richtig gut und tritt weltweit auf. Wir haben auch eine Hundelounge, in der sich die Hundetherapeutin Kathrin Scholz und ihr Team um die Hunde kümmern.
Ela: Ich kann mich jetzt ehrlich gesagt auch nicht entscheiden. Ich hoffe einfach, dass für jeden Menschen etwas dabei ist. Wir freuen uns auf die Menschen, die kommen. Ich glaube ich freue mich tatsächlich am meisten auf die Demo, weil es abends mal etwas anderes ist.

Becci: Ich möchte gerne noch unsere T-Shirts von Ulai Stylez Gießen erwähnen. Sascha von Ulai Stylez Gießen war einer der ersten, die gesagt haben: „Wir unterstützen euch und wir unterstützen euch gerne.Ulai Stylez Gießen sind für ihre T-Shirts mit den manischen Sprüchen bekannt und auch unser T-Shirt erregt Aufsehen, wenn man damit durch Gießen läuft, dass habe ich gerade wieder auf dem Weg hier her festgestellt. Sascha hat etwas sehr schönes gesagt: „Wir Gießener, wir gehören alle zusammen. Wir müssen uns alle untereinander stützen.
Ela: Die T-Shirts und noch einige andere Sachen kann man in unserem Shop kaufen.

 

Wo ist euer liebster Ort in Gießen?
Becci: Es gibt viele schöne Orte in Gießen.
Ela: Wenn du sie erst mal gefunden hast, sind es unheimlich viele. Ich finde es momentan echt schön mit einem Cocktail nachts auf dem Elefantenklo zu sitzen. Ich möchte auch eine Person nennen, die uns seit der ersten Stunde unterstützt hat – Britta vom Sowieso.
Becci: Das Sowieso ist eine wahre Kultstätte. Britta ist seit über 25 Jahren mit ihrem Sowieso hier in Gießen und ist eine wahre Koryphäe. Sie ist einfach einmalig hier in Gießen. Neben Britta nenne ich noch einen Veranstalter und zwar das Muk. Das ist ein unglaublich tolles Team. Die geben so viel und verlangen eigentlich gar nichts. Die wollen einfach nur, dass alles läuft, dass es uns gut geht und dass wir Spaß haben. Das Muk ist auch eine Kultstätte, da sind schon Künstler wie OK KID oder Juli groß geworden. Ich mag es auch unglaublich gerne an der Lahn zu sitzen und ganz viele Menschen zu treffen. Der Schiffenberg ist auch super. Da kann man selbst nachts wunderschön stehen und philosophieren.

 

Vielen Dank für eure Zeit und einen lieben Gruß an das komplette Team: André, Becci, Mel, Sven, Ela, Marry, Jasmin

 


 

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