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SEI DAS HUHN – AUTOUR – REISE UM DEN MOND

SEI DAS HUHN – AUTOUR – REISE UM DEN MOND

Im unendlichen Raum der Theaterwissenschaften scheint eine Oper mit samt ihren mächtigen Strukturen das sperrigste zu sein, was es zu erschaffen gilt. Diese in einen kleinen Raum, wie die taT-studiobühne, zu zwingen scheint auf den ersten Blick entweder so gar keine gute Idee oder doch die Geburtsstunde von etwas komplett brillantem. In welche der beiden Sphären sich der Zeiger der Wahrheit bewegt, kannst du am Donnerstag, den 07.06 und 21.06. selbst entscheiden. Denn dann findet wieder die Sprechoper Autour – Reise um den Mond statt.

Bevor hastig in die Rakete eingestiegen wird müssen die Grunddaten offengelegt werden. Jost von Harleßem hat sich im Zuge seines ATW-Masterabschluss-Projektes gedacht: Wenn schon, denn schon! Mit seiner Interpretation von Jules Vernes Autour de la Lune (Autour – Reise um den Mond) in Kombination mit den Charakterzügen einer Oper treffen zwei wahre Giganten aufeinander. Wenn diese Beiden sich treffen vermutet man, dass sie nicht gerade viele gemeinsame Matches für Smalltalk Themen finden werden. Doch pure Sprache hat sie eben doch. Die Rhythmen, die Phrasen und die Sprachspiele, die für sich Musik ergeben können. Eine Arie lebt letztendlich auch vom breitgetreten Wiederholung. Da wird gerne mal 10 Minuten darüber gesungen, dass jemand stirbt.

Er stirbt und stirbt und stirbt immer noch

Ebenso zehrt der Text von Jules Vernes inhaltlich nicht gerade von seiner Ergiebigkeit. Es gibt eben einfach nur diese drei Personen. Sie sitzen zusammen, unterhalten sich mehr oder weniger wortgewandt miteinander und wollen zum Mond fliegen. Irgendwann kommt dieser Kippmoment. Man weiß einfach nicht, hat es denn nun mit der Reise zum Mond geklappt hat oder nicht? Genau dieser Moment der verwirrenden Ungewissheit ist zugleich aber auch die Pille, die den Spaß bringt. Winkekatzen, eine Monsterkopf aus Pappmaché, der sehr nach Augsburger Puppenkiste aussieht und Getränkedosen, von dieser roten Marke, die auch den Weihnachtsmann erfunden haben soll.

 

Elefantenklo Magazin, dein Lifestylemagazin für und aus Gießen: Autour - Reise um den Mond

Fotocredit: Katrina Friese

 

Um die Zuschauer nicht alleine der abgedrehten und wirren Darstellungsform zu überlassen gibt es sie eben doch. Die Dinge, die einen beim Zuschauen eine gewisse Sicherheit, dieses “Dass kenne ich doch”-Gefühl mit auf den Weg geben. Ein prächtig ausgestattetes Bühnenbild, Musik als Stütze für das gesamte Konstrukts des Stücks oder auch die Kostüme. Sie alle zeigen, dass dies wirklich ein Stück sein könnte, das es wirklich gibt. Mit dem Prädikat der Sprechoper wird der Zuschauer in Sicherheit gewährt. Er kann mit beiden Wortpartien etwas anfangen. Zugleich wird ihm offengelegt hier steckt doch viel mehr dahinter.

“Alles sieht so aus, wie ein Stück, das es geben könnte.”
Jost von Harleßen

Eine Sprechoper ist dem Musiktheater sehr nah. Hier lebt der Gedanke sich nicht mit Federn wahrer SängerInnen zu schmücken, sondern auch mal in die Sphären der SprecherInnen, SchauspielerInnen oder sogar LeihenInnen vorzustoßen. Die obere Hand liegt beim Rhythmus und den Loops vergleichbar mit Poetry Slam.

3 Begriffe, die dir Jost mit auf den Weg gibt:

wir wollten viel machen
Spaß daran haben
irgendwie eine Oper erzählen

 

Ich mochte sie. Diese verwirrende wiederholende Welt. Lass dich einfach drauf ein und auch wenn es schwer fällt stell für diese 60 Minuten deinen Kopf aus und lass dich beriesel. Über den Sinn kannst du dir danach noch Gedanken machen.

 


 

Sprechoper nach Motiven von Jules Verne | ATW-Masterabschluss-Projekt von Jost von Harleßem in Kooperation mit der JLU im Rahmen der HTA

Inszenierung, Bühne und Text: Jost von Harleßem
Musikalische Leitung und Komposition: Christian Keul
Bühne und Kostüme: Katharina Sendfeld
Dramaturgie: Björn Mehlig

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Fotocredit: Katrina Friese

 

Capt. Nicholl: Ewa Rataj
Michel Ardan: Pascal Thomas
Impey Barbicane: Lotta Hackbeil
Jules Verne / J. T. Maston / Sprecher: Sebastian Songin
Band „BordWerkZeug“ (Schlagzeug): Joe Bonica
Band „BordWerkZeug“ (Posaune): Andreas Jamin
Band „BordWerkZeug“ (Klavier/Bass): Christian Keul

 

07|06|2018 und 21|06|2018
tat-studiobühne | 20 Uhr
Eintritt:13 EUR

Weitere Infos findest du hier.

 

Danke lieber Jost von Harleßem für die Einladung.

 

Fotos by Katrina Friese


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