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SO WARS: DIE KLEINEN FÜCHSE

SO WARS: DIE KLEINEN FÜCHSE

Holprig, schrill, laut und doch packend. Stefan Otteni holt das Stück „Die kleinen Füchse“ mitten in unser aller Alltag. Die nahe gelegene Großstadt wird schnell zu Frankfurt und die Metropole der Träume ist New York. Gemeinsam schafft es das komplette Team die vielschichtige und komplizierte Vorlage mit vielen Fragen auf die Bühne zu bringen und dabei die Kapitalismuskritik in die Höhe zuhalten. Noch bis Ende Juni kannst du Lillian Hellmans „Die kleinen Füchse“ (1939) auf der Bühne des Stadttheater Gießens sehen.

► ► Worum es in „Die kleinen Füchse“ kannst du hier nachlesen. ◄ ◄

Über die komplette Spielzeit befinden wir uns im spärlich eingerichteten Wohnzimmer des Familienunternehmens Hubbard & Söhne. In der Mitte der Bühne befindet sich, unter einem enormen Metallkonstruktes in Form einer Halbkugel, eine riesige Wendeltreppe, die für mich als Sinnbild der „Showtreppe ins Nichts“ steht. Gerade in der Schlussszene rückt diese in den Mittelpunkt. Immer wieder stellt die Familie ihre Gier nach mehr Kapital über alle menschlichen Bedürfnisse. Dieser seelische Abgrund gipfelt in dem überspitzt dargestellten tierischen Kampf der Schauspieler auf allen Vieren.

Während der Vorstellung keimte teilweise sehr stark in meiner Brust das Bedürfnis aufzuspringen und zu rufen: Jetzt reicht´s aber. Weiter Bitte! Doch gerade dann, wenn man dachte stärker kann mir die komplette Bande nicht mehr auf die Nerven gehen, wendet sich das Blatt und die Atmosphäre kippt komplett. Als hätte jemand das berüchtigte Knöpfchen gedrückt und uns alle erlöst. Doch genau diese Angenervtheit und zugleich vollkommenes Chaos, ist genau das, was uns Regisseur Stefan Otteni mit auf den Weg geben will. Was passiert da gerade in unserer Welt? Was passiert da draußen, wenn ich mein Fenster auf mache. Sei es Trump über dem großen Teich oder auch hier bei uns in Gießen vor der eigenen Haustür? Die Gier nach mehr ist an jeder Ecke zu spüren. Sei es bei dem Streit um Immobilien und deren möglichst hoher Mehrwert oder eine Einkaufsmall, die scheinbar nur durch gute Lobbyarbeit in die Tat umgesetzt werden kann.

Die gesamte Familie Hubbard geht einem dermaßen auf den Nerv, dass man sich immer mal wieder eine Pause herbei wünscht. Doch diese gibt es nicht. Knappe zwei Stunden peitscht uns das Ensemble durch das Stück, denn jede Pause hätte genau diesen erarbeiteten Drive vollkommen zerstört. Doch wo kommt dieser eigentlich her?

Von Anfang an wird nicht der gewohnte Weg beschritten. So startet das Stück bereits während die Letzten im Publikum noch ihren Platz suchen. Das Hausmädchen Safa sitzt längst auf dem Sofa und liest abwechselnd in ihrem Buch und studiert das Publikum. Obendrein bleibt der Publikumsraum ungewöhnlich hell. Was praktisch das Gefühl vermittelt mit im Wohnzimmer der Familie Hubbard zu sitzen. Direkte Ansprache und eiskalter mit Einbezug in die Dynamik des Spiels könnten durchaus auch passieren. Um den Spoiler-Gehalt so niedrig wie möglich zu halten belasse ich es an dieser Stelle und verrate nicht die komplette Wahrheit.

► ► FAZIT ◄ ◄ 

Das liebe Geld ist eben doch nicht Alles und seinen Kummer in Alkohol zu ertränken erst recht nicht – Ganz egal wie gut der Holunderwein auch sein mag. Stefan Otteni arbeitet in seiner Inszenierung nicht nur fokussiert die verschiedenen Frauenbilder heraus, die alle auf ihre Art mit ihrem Schicksal umgehen, sonder setzt im Rundumschlag dem Kapitalismus die regionale Krone auf. Während sich die Einen noch fragen, was zur Hölle, haben die Anderen schon längst verstanden, wie zeitlos die komplette Geschichte in Wirklichkeit ist.
An deiner Stelle würden wir uns husch husch noch eine Karte für die kommenden Vorstellungen besorgen.

 

► ► BESETZUNG ◄ ◄

Schauspiel von Lillian Hellman  |  Deutsch von Bernd Samland
Inszenierung: Stefan Otteni  |  Bühne und Kostüme: Ayşe Özel  |  Dramaturgie: Cornelia von Schwerin

 

Mit:

Susana Abdulmajid (Addie)  |  Milan Pešl (William Marshall)  |  Ewa Rataj (Birdie Hubbard)  |  Pascal Thomas (Oscar Hubbard)  |  Stephan Hirschpointner (Leo Hubbard)  |  Carolin Weber (Regina Giddens)  |  Roman Kurtz (Horace Giddens)  Lotta Hackbeil (Alexandra Giddens)  |  Tom Wild (Benjamin Hubbard)

 

Die kleinen Füchse
05.04. | 11.05. | 31.05.2018 | 28.06.2018
Großes Haus | 19:30 Uhr
Eintritt: ab 7,50 EUR

Weitere Infos findest du hier.

 


 

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